Kinotagebuch: Interstellar

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Interstellar

Interstellar, USA, 2014

Regie: Christopher Nolan

mit Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Jessica Chastain

Gesehen am 16. November 2014 um 18.15 Uhr im Cinedom. Mit Ex-Kollegen und der Freundin, die diesmal leider nicht neben mir saß, weswegen sie auf Live-Filmanalyse ins rechte Ohr verzichten musste

Ich mochte bisher alle Christopher Nolan-Filme. In einem älteren Blogeintrag habe ich ihn – in Bezug auf seinen Film Inception – einmal als den Filmemacher des Jahrzehnts bezeichnet. Ich meinte damals, dass er die großen Themen der Zeit raffiniert popkulturell aufarbeitet.

Nolans Filme sind Thesenfilme, die sehr clever durchdacht und recherchiert sind. Sie sind inhaltlich nicht unbedingt immer logisch, während sie sich an ihren Thesen abarbeiten, sind aber emotional so dicht und dramaturgisch so präzise, dass die Logiklücken normalerweise nicht stören und brillante Filme wie The Dark Knight oder Inception entstehen.

Auch Interstellar ist ein Thesenfilm. Doch an emotionaler Dichte fehlt es diesmal. Die Charaktere tun nur, was der Plot (ein Mann muss durchs All reisen und einen neuen Planeten für die vom Aussterben bedrohte Menschheit finden) von ihnen verlangt. Ich hatte nie das Gefühl, dass sich die Story aus den Charakteren heraus entwickelt sondern dass es sich bei Interstellar um eine reine Kopfgeburt handelt, von der man sich überwältigen lassen kann, bei der es mir aber sehr schwer fiel emotional anzudocken.

Das hat Auswirkungen auf die dramaturgische Präzision. Ab der Hälfte verliert der Film seine Hauptfigur und ihre (emotionale) Reise aus den Augen und zerfasert in verschiedene B-Plots. Deren Handlungen dienen am Ende weniger der Emotion als der Beweisführung der These des Films, die etwas mit der Fünf-Dimensionalität im dreidimensionalen Raum zu tun hat und wie Gravitation beide Ebenen miteinander verbindet.

Interstellar sieht fantastisch aus und hat einen tollen Plot, kann mich aber dramaturgisch und emotional leider nicht so sehr überzeugen wie es die anderen Nolan-Filme konnten. Es ist daher der Nolan-Film, den ich am wenigsten mag. Die Kritiken zu Interstellar sind fantastisch. Bei The Dark Knight Rises war es genau umgekehrt: Den Film mochte ich und die Kritiken waren größtenteils furchtbar. Vielleicht sehe ich Nolan-Filme in anderen Dimensionen als die Kritiker. (Eventuell schreibt mir jemand von ihnen erhellende Botschaften in den Staub, die mir helfen, Interstellar zu mögen.)

„Mankind was born on Earth. It was never meant to die here.“

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